Die Gecko-Fabrik
2007/2008 bezog Wiesmann die neue Manufaktur in Dülmen. Mit ihrer gläsernen Fassade und dem an einen Gecko erinnernden Dach wurde sie schnell zu einem architektonischen Erkennungszeichen der Marke.
Wiesmann ist keine gewöhnliche Automarke. Die Fahrzeuge entstanden nicht als Massenprodukt, sondern als handgebaute Sportwagen aus Dülmen – mit klassischer Formensprache, moderner BMW-Technik und einer sehr eigenen Persönlichkeit.
Die Idee war von Anfang an faszinierend einfach: ein Roadster im Stil der großen Klassiker der 50er und 60er Jahre, kombiniert mit zuverlässiger, leistungsstarker deutscher Technik. Aus dieser Idee entstand eine kleine Manufaktur, deren Fahrzeuge heute längst Kultstatus besitzen.
2007/2008 bezog Wiesmann die neue Manufaktur in Dülmen. Mit ihrer gläsernen Fassade und dem an einen Gecko erinnernden Dach wurde sie schnell zu einem architektonischen Erkennungszeichen der Marke.
Außen klassischer Sportwagen, innen bewährte Technik: Motoren, Getriebe, Steuergeräte und viele Komponenten stammen aus BMW Großserie – verpackt in einer eigenständigen Wiesmann-Karosserie.
Der Gecko wurde zum Markenzeichen von Wiesmann, weil er die Idee hinter den Fahrzeugen perfekt beschreibt: leicht, schnell, agil – und mit außergewöhnlicher Bodenhaftung. So wie ein Gecko scheinbar mühelos an Wänden haftet, sollten auch die Sportwagen aus Dülmen förmlich auf der Straße kleben.
Genau dieses Bild passt bis heute zur Marke: klassische Linien, BMW-Technik im Inneren und ein Fahrgefühl, das direkt, mechanisch und sehr verbindlich wirkt.
Alles begann 1985 auf der Essen Motor Show, als Martin und Friedhelm Wiesmann die Idee zu einem modernen Klassiker entwickelten. 1988 wurde das Unternehmen gegründet, 1993 startete die Serienproduktion der ersten Roadster. Bis 2013 entstanden insgesamt 1.599 Wiesmann Roadster und GT – alle in Handarbeit gebaut.
Die Modellbezeichnung „MF“ steht für Martin und Friedhelm. Die Zahl verweist auf Karosserie- und Motorvarianten. Die Spannweite reicht vom leichten Sechszylinder-Roadster bis zum brachialen V10- und V8-Biturbo-Modell.
Die frühen Roadster legten den Grundstein: offene Zweisitzer mit klassischer Silhouette, Gitterrohrrahmen und GFK-Karosserie. Mit Leistungen von 170 bis 231 PS waren sie leicht, direkt und sehr puristisch.
Der MF3 wurde zum bekanntesten klassischen Roadster der Marke. Mit BMW-M-Reihensechszylindern, später bis 343 PS, verband er niedriges Gewicht mit viel Drehfreude und einem extrem unmittelbaren Fahrerlebnis.
Der GT MF4 war der erste geschlossene Wiesmann. Er brachte die Coupé-Form in die Marke und kombinierte ein nur rund 110 kg schweres Aluminium-Monocoque mit V8-Leistung, GFK-Karosserie und klassischem Frontmittelmotor-Konzept.
Der MF4-S schärfte das Konzept mit dem 4,0-Liter-Hochdrehzahl-V8 aus dem BMW M3. Die Clubsport-Version MF4-CS sollte zum 25-jährigen Jubiläum erscheinen – durch die Insolvenz blieb sie extrem selten.
Der offene MF4 brachte die V8-Welt in den Roadster. Je nach Variante kamen 367 PS als Sauger, 407 PS als V8-Biturbo oder 420 PS im MF4-S zum Einsatz – elegant, offen und dennoch brutal schnell.
Der MF5 war die stärkste klassische Wiesmann-Ausbaustufe. Zunächst mit dem legendären BMW-V10 aus M5 und M6, später mit V8-Twinturbo und bis zu 555 PS. Breiter, extremer und deutlich kompromissloser als der MF4.
Ein Wiesmann ist emotional schwer auf nüchterne Zahlen zu reduzieren. Natürlich zählen Leistung, Gewicht und Fahrdynamik. Aber der eigentliche Reiz liegt in der Mischung: klassische Schönheit, handwerkliche Fertigung, seltene Stückzahlen und ein Fahrerlebnis, das noch sehr direkt und analog wirkt.
Nur 1.599 Roadster und GT entstanden bis 2013. Ein Wiesmann ist deshalb kein Fahrzeug, dem man zufällig oft begegnet – sondern eines, das in Erinnerung bleibt.
Nahezu alle Arbeitsschritte erfolgten in Handarbeit. Das macht die Fahrzeuge nicht perfekt im industriellen Sinn, verleiht den Fahrzeugen aber ihren besonderen Charakter.
Lange Haube, kurzes Heck, tiefe Sitzposition, runde Formen: Das Design zitiert klassische Sportwagen, ohne wie eine Kopie zu wirken.
Unter der langen Haube arbeiteten BMW-Motoren mit sechs, acht oder zehn Zylindern – vom agilen Roadster bis zum 555 PS starken MF5.
Inhaltlich angelehnt an die Modell- und Historienübersicht des Wiesmann Club e.V. sowie an historische Modellinformationen von Wiesmann.